Die Briefe an Timotheus

Die Briefe des Apostels Paulus an Timotheus werden bisweilen auch „Pastoralbriefe“ genannt. Gerichtet sind sie an einen jungen Gemeindeleiter, Missionar und Schüler des Apostels. Sein Name taucht in zahlreichen anderen Schriften des Neuen Testaments auf. Demnach kann davon ausgegangen werden, dass Timotheus ein wichtiger, gelehriger und erfolgreicher Mitarbeiter des Paulus war.

Trotz des durchweg positiven Bildes, das der Bibelleser von Timotheus gewinnt, werden auch zwei Eigenschaften genannt, die für einen geistlichen Leiter eher hinderlich sind: Der junge Mann war offenbar kränklich (1. Tim 5,23) und schüchtern (2.Tim 1,6-8 und 2. Tim 2, 3-5).

 

Der erste Brief an Timotheus lässt sich nicht sicher datieren. Aus ihm geht nur hervor, dass der Empfänger offenbar noch recht jung ist. Das Schreiben enthält viele Hinweise zu den persönlichen Eigenschaften eines geistlichen Leiters und zum Umgang mit den Herausforderungen im Gemeindeleben. Dieser Brief ist voller wohlmeinender Ratschläge, Warnungen und Ermahnungen. In Kapitel 1,18 und 4,14 wird zudem angedeutet, dass dem Timotheus sein Dienst durch Weissagung angekündigt und er durch Segnung bevollmächtigt wurde.

Der zweite Brief hingegen greift zwar das Muster der Mahnungen und Ratschläge auf. Doch sein Grundtenor ist ein völlig anderer. Immer wieder durchziehen diese Zeilen Hinweise auf das persönliche Schicksal des Apostels. Es wirkt, als habe ein nach Jahren des Kampfes müde gewordener Missionar sein Testament verfasst und halte Rückschau. Der Leser erfährt, dass nur noch wenige Getreue bei Paulus sind, welcher sich in Gefangenschaft befindet. Paulus bittet Timotheus, sich zu beeilen, um ihn noch einmal zu sehen. Aus Kapitel 4,6 geht hervor, dass der große Gottesmann mit seiner baldigen Hinrichtung rechnet.

Aus diesen Gründen wird der 2. Timotheusbrief als das späteste überlieferte Schreiben des Paulus angesehen. Wahrscheinlich entstand es während der neronischen Christenverfolgung zwischen den Jahren 64 und 68.

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