Der Jakobusbrief

Das drittletzte Buch der Bibel bietet trotz seiner sehr klaren Aussagen immer wieder Diskussionsstoff. Nicht nur sein Inhalt, auch sein Verfasser ist gleichzeitig bekannt und doch umstritten.


Der Urheber des Jakobusbriefes

Gleich im ersten Vers stellt sich der Autor vor: „Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus…“ So klar diese Aussage zunächst erscheint, sie stellt uns doch vor Rätsel. Denn das Neue Testament kennt immerhin mindestens drei Personen dieses Namens:

  • Der Bruder des Jüngers Johannes. Er war selbst einer der zwölf Apostel und wurde bereits in den Anfangsjahren der jungen Christenheit hingerichtet.
  • Ein weiterer Apostel mit dem Beinamen „Sohn des Alphäus“. Er wird außerhalb der Evangelien in der Apostelgeschichte sowie in zwei Briefen des Paulus erwähnt. Daraus lässt sich eine gewisse Bekanntheit bei den Gemeinden im Mittelmeerraum schlussfolgern.
  • Die populärste Theorie lautet, dass es sich bei dem Verfasser um den Bruder von Jesus gehandelt habe. Dieser schloss sich erst nach Christi Auferstehung den Jüngern an. Er wird in den Evangelien, in der Apostelgeschichte sowie im Galaterbrief erwähnt. Für diese Auslegung spricht, dass der Schreiber sich selbst nicht auf ein Apostelamt beruft.

 

Die Adressaten des Jakobusbriefes

Als Empfänger des Schreibens werden „die zwölf Stämme in der Zerstreuung“ genannt. Bibelkenner wissen, dass nach dem Untergang des Nordreiches Israel zehn dieser Stämme zwangsumgesiedelt wurden und somit nicht mehr als homogene Volksgruppen existierten. Auch das Südreich Juda mit den restlichen beiden Stämmen ging später unter. Diese Menschen gerieten in die babylonische Gefangenschaft. Nach der Rückkehr daraus (ab 539 v. Chr.) gab es daher faktisch nur noch einen der zwölf Stämme: den Stamm Juda. Die anderen Stämme hatten sich mehr oder minder zerstreut oder aufgelöst, obwohl den Betreffenden ihre Zugehörigkeit durchaus bewusst war. Manche lebten auch weiterhin in Palästina. „Die Juden“ war daher ein Oberbegriff für Gottes Volk und nicht die Bezeichnung des Stammes Juda.   

Wenn Jakobus also an die zwölf Stämme in der Zerstreuung schreibt, können damit Gläubige in und außerhalb von Palästina gemeint sein. Es geht also nicht um die ursprüngliche Stammeszugehörigkeit, sondern um Menschen, deren kultureller Hintergrund im Judentum zu suchen war. Eine noch weitergehende Deutung wäre, diese Anrede einfach nur als Metapher für die im ganzen Mittelmeerraum lebenden Gläubigen zu verstehen.

 

Was der Jakobusbrief uns heute zu sagen hat

Stark verkürzt könnte man sagen, dass der Jakobusbrief die Wichtigkeit der guten Taten betont. Aus diesem Umstand konstruieren Kritiker bisweilen einen Gegensatz zu Paulus, welcher ja in zahlreichen Passagen seiner Briefe betont, dass nur Glaube und Gnade unsere Erlösung bewirken. Angeblich war dies auch der Grund, warum der Jakobusbrief so weit hinten im neutestamentlichen Kanon eingeordnet wurde. Auch Luther soll den Jakobusbrief wegen der scheinbaren Werkegerechtigkeit nicht sonderlich gemocht haben.

Doch dieser Gegensatz zwischen Jakobus und Paulus besteht gar nicht. Vielmehr erklärt Jakobus, dass Glaube nicht nur aus frommen Gedanken und Gefühlen besteht. Der Schreiber fordert die Leser auf, „Täter des Wortes“ zu sein. Er warnt andererseits auch vor Überheblichkeit aufgrund getaner Werke. Wie Paulus auch, argumentiert er zudem, dass nur das vollständige und dauerhafte Halten der jüdischen Gesetze sündlos machen würde, was natürlich niemand vermag.

Im Gegenzug finden sich auch in den Schriften des Paulus (z.B. im Titusbrief, im Römerbrief, im 1. Korintherbrief und im 1. Thessalonicherbrief) die Argumente des Jakobus: Ohne entsprechende Taten gibt es keinen lebendigen Glauben. Beide Gottesmänner vertreten somit die gleiche Ansicht. Sie wenden sich nur gegen unterschiedliche Extreme: Paulus weist die zurecht, die dem Halten der Gebote mehr Bedeutung beimessen als der Gnade. Jakobus wiederum spricht diejenigen an, denen der Glaube eine rein theoretische Weltanschauung geworden ist.  

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