Der Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom

Mit dem so genannten Römerbrief beginnt eine Reihe antiker Schreiben an frühchristliche Einzelpersonen oder Gemeinden. Hier endet die historisch berichtende Darstellung der biblischen Bücher zugunsten theologischer Aussagen. Dennoch enthalten diese Briefe zahlreiche kleine Bemerkungen und Verweise, um die Berichte der Apostelgeschichte abzurunden. Bei vielen dieser Schreiben wird von einer Verfasserschaft des Apostels Paulus ausgegangen. Einige benennen Paulus sogar als Absender. Dazu gehört auch der Römerbrief.

 Jener steht zwar an erster Stelle der Briefe im Neuen Testament. Keineswegs ist er deshalb jedoch das chronologisch früheste Werk. Vielmehr entstand er relativ spät. Aus Kapitel 15,25-27 geht hervor, dass der Römerbrief während der letzten Reise des Paulus nach Jerusalem entstand. Ein Vergleich zwischen Apostelgeschichte 20 und 21, Römer 16,23 sowie 1. Korinther 1,14 legt zudem die Stadt Korinth als Entstehungsort nahe. Durch diese Angaben kann der Römerbrief auf die Jahre 55 bis 57 datiert werden.

Inhaltlich befasst sich der Brief an die Gemeinde in Rom mit zwei großen Themen. Eine recht anspruchsvolle Argumentationskette erläutert den Zusammenhang zwischen Sünde, Gesetz und Erlösung. Vereinfacht ausgedrückt erklärt Paulus dabei, dass die Befolgung von religiösen Regeln zwar richtig ist. Jedoch genügt dies nicht, um erlöst zu werden. Dies kann nur anhand der Gnade durch Jesus Christus erfolgen. Die biblischen Gebote sind demnach eine Art Maßstab, der eben auch aufzeigt, wo Abweichungen existieren. Durch diese Funktion der Offenlegung dienen die Gebote jedoch automatisch auch unserer Verurteilung, falls wir nicht die Erlösung durch Christus in Anspruch nehmen.

 

Zweiter Schwerpunkt des Römerbriefes ist die praktische Ausgestaltung des Christenlebens durch Liebe, Einigkeit, Barmherzigkeit und gegenseitige Unterstützung. Mitten hinein in diese Ausführung stellt Paulus plötzlich sieben Verse, die regelrecht zum Widerspruch reizen. Er führt darin das Verhältnis des Einzelnen zur Obrigkeit aus. Bei zusammenhangloser und gewollter Fehlinterpretation ergibt sich daraus ein Freibrief für die Mächtigen dieser Welt. Entsprechend oft verwende(te)n Diktaturen diese Verse argumentativ gegenüber Christen. Andererseits wurde auch schon versucht, die scheinbare Diskrepanz dieser Verse durch alternative Übersetzungen oder grammatische Kniffe abzumildern.

Wer diesen kurzen Abschnitt hingegen im biblischen Kontext betrachtet, wird feststellen: Paulus stellt keineswegs einen Persilschein für Gewaltherrscher aus. Er beschreibt lediglich einen Ist-Zustand. Christen sollen sich deshalb nicht durch bewusst aufrührerisches Verhalten in Gefahr begeben. Offenbar waren zu dieser Zeit einige Gläubige der Meinung, als Bürger des künftigen Gottesreiches hätten weltliche Ordnungen für sie keine Bedeutung mehr.

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