Das Erste Buch Samuel

Am Ende der Richterzeit, wie sie in den biblischen Büchern Richter und Rut beschrieben wird, sorgt ein Prophet und Richter namens Samuel für den Übergang zum Königtum. Das nach ihm benannte Erste Buch Samuel beschreibt dessen Werdegang, die Entstehung des Königtums sowie den Aufstieg des späteren Königs David.

Der Verfasser des Buches ist unbekannt. Ursprünglich bildete das Erste Buch Samuel mit den folgenden drei Abschnitten der Bibel ein großes Geschichtswerk. Im Zuge der griechischen Übersetzung (Septuaginta) wurde dieser Bericht später in vier Einzelschriften unterteilt.

 Samuels eigene Geschichte spielt nur im ersten nach ihm benannten Buch eine Rolle. Die Gewichtung seiner Person schwindet zudem ungefähr ab der Mitte des Berichtes. Erzählt wird, wie das Gott geweihte Wunschkind Samuel bei einem Priester aufwächst, dessen eigene Söhne ziemlich missraten sind. Samuel hingegen wird frühzeitig ein Bote Gottes. Nach einer militärischen Niederlage, in dessen Folge auch die Priesterfamilie umkommt, fungiert fortan Samuel als geistliche und politische Autorität des israelischen Stammesverbundes.

Mit zunehmendem Alter muss Samuel aber erkennen, dass er in eine ähnliche Situation gerät wie sein priesterlicher Ziehvater. Er selbst ist ein Gottesmann; seine Söhne jedoch benehmen sich daneben und scheitern moralisch an der Ausübung des Richteramtes. Auch das Volk erkennt das. Die Forderung nach einer Monarchie kommt auf, wie sie die Nachbarvölker längst haben. Samuel erfüllt den Wunsch des Volkes, warnt aber vor den Folgen: Abkehr von Gott, Kriegs- und Frondienste, Steuern sowie Willkür.

 Zunächst salbt Samuel einen jungen, äußerst fähigen Mann namens Saul zum König. Dieser gehört ausgerechnet dem kleinsten Stamm des Volkes, Benjamin, an… Tatsächlich gelingt vorerst die ordnungspolitische Einheit des Volkes. Auch militärische Siege werden errungen. Doch Saul agiert zunehmend eigenwillig und übermäßig pragmatisch. Immer mehr wird Glaubensleben durch politische Strategie ersetzt. Samuel muss dem König daher im Auftrag Gottes verkünden, dass er der einzige König aus seiner Familie bleiben wird. Das Königtum soll auf einen anderen übergehen.

 Parallel dazu wird der Werdegang des späteren Königs David erzählt: Vom Hirtenjungen zum Volkshelden. In diese Zeit fällt die berühmte Geschichte von David und Goliath. David avanciert vom zeitweiligen Schwiegersohn Sauls zum geächteten Söldnerführer und heimlichen Hoffnungsträger des Volkes. Er geht schließlich zu den Feinden ins Exil.  Die Wege von Saul und David kreuzen sich häufig, es geht blutig und intrigant zu. Der alte Samuel hingegen scheint als anerkannte Autorität immer mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Unter großer Anteilnahme des Volkes verstirbt er schließlich. Danach gerät die gestörte Ordnung im Lande vollständig durcheinander.

 Das Erste Buch Samuel endet mit einer Schlacht zwischen Israel und den Philistern. Letztere tragen den Sieg davon und töten drei von Sauls Söhnen. Umzingelt von Feinden, begeht Saul Selbstmord.   

David hingegen entgeht diesem Gemetzel. Er befindet sich gerade im Exil bei den Philistern, wo er relativ eigenständig ein kleines Gebiet beherrscht. Da ihm aber nicht alle Philister trauen, darf er an dem Kampf nicht teilnehmen und gerät so nicht in Gewissenskonflikte.

Dennoch muss auch David militärische Auseinandersetzungen meistern: Ein Stoßtrupp der benachbarten Amalekiter veranstaltet offenbar einen Raubzug durch die Region, während die Heere der Israeliten und der Philister mit sich selbst beschäftigt sind. David kann den Eindringlingen allerdings alles wieder abjagen, die Gefangenen befreien und selbst reiche Beute machen. Bezeichnenderweise schickt David einiges davon ins israelische Gebiet. Alle Orte, die ihm während seiner Flucht vor Saul geholfen haben, erhalten einen Teil der Beute.

 

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