Exkurs: Zur Verfasserschaft des Mose

Die ersten fünf großen Abschnitte der Bibel tragen alle denselben Namen: Mose. Sie wurden deshalb durchnummeriert. Diese Bezeichnungen basiert auf der Annahme, dass der große Gottesmann Mose diese Bücher verfasste. Er führte nach biblischer Überlieferung das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft und lehrte es Gottes Gebote. Mose ist in vier der fünf Bücher die Hauptperson und bis heute im Judentum einer der wichtigsten Glaubensväter.

Die so genannte Bibelkritik, eine Fachrichtung, deren Hauptziel nicht die Erforschung, sondern die Verunglimpfung der Bibel ist, bestreitet daher beinahe schon zwangsläufig die Verfasserschaft des Mose. Sogar die Person selbst wird bisweilen geleugnet. Wie bei so vielen biblischen Themen, gehen diese Wissenschaftler von einer unwissenschaftlichen These aus: Solange es keinen außerbiblischen Beweis gibt, hat es die betreffende Person oder das betreffende Ereignis nicht gegeben.

Wie fehleranfällig eine solche Vorgehensweise ist, zeigt sich am Beispiel des Volkes der Assyrer: Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Bibel einziger Beleg der assyrischen Existenz. Auch damals gingen Gelehrte davon aus: Die Bibel lügt grundsätzlich, es gibt keine anderen Quellen, darum hat es die Assyrer nicht gegeben. Dann gruben mehrere Forscher unabhängig voneinander innerhalb weniger Jahre Paläste, Statuen und Keilschrift-Tafeln aus, welche auch noch entziffert werden konnten. Plötzlich war nicht nur die Existenz des assyrischen Großreiches bewiesen – auch die biblischen Geschichten dazu wurden auf den Tontafeln bestätigt!

Dennoch zweifelt(e) die Bibelkritik auch hinsichtlich der Mosebücher an einer einheitlichen Verfasserschaft. Der Versuch, die Texte in mehrere Quellen aufzuspalten, führte bisher jedoch eher zu neuen Unstimmigkeiten. Die Verfasserschaft des Mose ist somit weder nachweisbar, noch widerlegbar. Lediglich die letzten Zeilen des fünften Buches können schwerlich von Mose selbst geschrieben worden sein, denn sie thematisieren seinen Tod sowie eine Art Nachruf.

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