Das zweite Mose-Buch nennt man auch Exodus (lat.) bzw. Exodos (griech.), was soviel bedeutet wie Auszug.

Zentrales Thema ist die physische und geistliche Befreiung. Die Erzählung setzt nach einer Lücke von mehr als 400 Jahren die Familiengeschichte aus dem ersten Mose-Buch fort. Die Großfamilie ist im ägyptischen Reich sesshaft geworden, bewohnt die Provinz Gosen und hat sich zu einem ganzen Volk entwickelt.

Die Bibel berichtet, dass zu jener Zeit ein Pharao herrschte, dem die wirtschaftspolitischen Erfolge des Josef unbekannt waren. Bei der Datierung dieser Ereignisse liegt daher die so genannte Hyksos-Periode nahe. Das war eine mehr als 100 Jahre währende Epoche der Fremdherrschaft durch (möglicherweise semitische) Dynastien. Diese in der altägyptischen Geschichte als Zwischenzeit bezeichnete Ära stellte eine kulturelle Unterbrechung dar. Die Hyksos wurden schließlich vertrieben.

Möglicherweise liegt hier der Schlüssel zum biblischen Bericht: Das hebräische Volk stammte schließlich aus dem gleichen Kulturkreis wie die verhassten und vertriebenen Hyksos-Könige. Der Pharao wollte jene Menschen gleichzeitig ausbeuten und vernichten. Deshalb versklavte er zunächst die Hebräer. Dennoch wuchs das Volk weiter, welches hier erstmals als Israel bezeichnet wird.

Im nächsten Schritt wurden zwei hebräische Hebammen angeheuert, die jeden männlichen Neugeborenen der Israeliten töten mussten. Möglicherweise sollten sie das Ganze wie eine Totgeburt aussehen lassen. Die beiden Frauen taten dies jedoch nicht und erfanden dazu allerlei Ausreden. Daher ließ der Pharao nun ganz offiziell verkünden, alle männlichen Neugeborenen der Hebräer müssten getötet werden.

Im Prinzip findet man hier den gleichen Beweggrund wieder, der in den 1990er Jahren zum Völkermord in Ex-Jugoslawien führte: Die Furcht vor Überfremdung. Diese durchaus nachvollziehbare Angst ist auch unter den Asylgegnern in Deutschland vorzufinden. Die Bibel zeigt, wohin solch ein Denken führt. Es geschieht eben nichts Neues unter der Sonne (Sprüche 1,9).

Mitten hinein in diesen Genozid wird Mose geboren. Er hat Glück: Seine Familie kann ihn nicht nur verstecken, er kommt sogar am Königshof unter und erlangt so die Bildung und die Führungsqualitäten, die ihm später einmal sehr nützlich werden sollen. Als Erwachsener tötet er jedoch im gerechten Zorn einen Ägypter und muss erst einmal fliehen. Jahrzehnte später, nachdem die alte Herrscherkaste tot ist, kehrt Mose zurück und fordert Freiheit für sein Volk. Eine strategische Auseinandersetzung beginnt zwischen dem Pharao und Gott, als dessen Bote Mose auftritt. Der Pharao verliert, und das Volk Israel macht sich auf den Weg in Richtung Palästina. Diese eigentlich nur wenige Wochen dauernde Wanderung zieht sich aufgrund verschiedenster Ereignisse schließlich über vier Jahrzehnte hin. Doch das ist bereits nicht mehr Bestandteil des zweiten Mose-Buches. Dieses endet vielmehr mit einem geistlichen Höhepunkt: Am Berg Sinai empfängt das Volk die berühmten Zehn Gebote und errichtet nach Gottes Vorgaben ein mobiles Heiligtum, die so genannte Stiftshütte.

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