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Unter dem lateinischen Begriff Numeri (Zählungen) ist das vierte Mose-Buch bekannt.

Der Titel täuscht allerdings, denn er bezieht sich nur darauf, dass dieses Buch mit der Aufzählung von Geschlechtsregistern sowie weiteren Vorschriften beginnt und auch der folgende Text davon durchzogen wird. Vor allem jedoch ist dieses Buch eine Fortsetzung der Geschichte des Volkes Israel: Erzählt wird die Wanderung vom Berg Sinai bis nach Kanaan.

Weil das Vertrauen in Gottes Führung trotz aller bisherigen Wunder klein geworden ist, scheuen die Israeliten jedoch an der Grenze zum verheißenen Land zurück. Sie haben Angst vor den dortigen Menschen, richten ihre Aggressionen gegen Mose sowie einige Getreue und wählen neue Führer. In dieser Situation greift Gott ein. Zum Erschrecken der Menge sterben (wahrscheinlich durch eine Krankheit) die Urheber der unwahren Gerüchte. Gott verkündet zudem durch Mose, dass die Wüstenwanderung nun so lange dauern soll, bis niemand von den Aufrührern mehr lebt – 40 Jahre lang.

Erneut wandelt sich die Stimmung. Jetzt will das Volk plötzlich (entgegen der göttlichen Vorhersage) das verheißene Land sofort erobern. Trotz der Warnung des Mose ziehen einige los und holen sich blutige Nasen. Es werden anschließend Episoden aus der vierzigjährigen Nomadenzeit berichtet. Die Handlung endet erneut an der Grenze zum verheißenen Land. Der mittlerweile uralte Mose bestimmt seinen Nachfolger und trifft einige Vorbereitungen für die Zeit nach der Eroberung. Er selbst wird nicht mehr dabei sein, denn Gott hat ihm seinen nahen Tod angekündigt.

Das große Thema des vierten Mose-Buches ist der Unglaube. Mehrfach äußert ein großer Teil des Volkes Unzufriedenheit. Die Themenpalette ist dabei vielfältig: fehlendes Wasser, eintöniges Essen, die Landschaft, das Führungspersonal… Bisweilen versteigen sich die Wutbürger sogar zu der Äußerung, man wolle lieber nach Ägypten umkehren. Sklaverei und Genozid hatte man offenbar erfolgreich verdrängt. Erwähnt wird auch, dass diese Revolten zum Teil von Angehörigen anderer Völker ausgingen, welche sich dem Wüstenzug angeschlossen hatten.

In heutiger Zeit gibt es dazu durchaus Parallelen: Populisten bauschen Probleme zu Katastrophen auf, finden immer neue Aufregerthemen und schüren die Sehnsucht nach den vergangenen Diktaturen. In dieser Hinsicht ist das vierte Mose-Buch ein Lehrstück über die Folgen von Aufhetzung und Extremismus.

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