Die Briefe des Apostels Petrus

Mit den beiden Briefen des Apostels Petrus beginnt im Neuen Testament eine Reihe von insgesamt sieben so genannten katholischen Briefen. Dieser Ausdruck hat aber nichts mit der römisch-katholischen Kirche oder einer anderen katholisch geprägten Glaubensrichtung zu tun. Das griechische Wort katholikos bedeutet übersetzt einfach allgemein. Diese Schreiben richten sich also nicht an eine bestimmte Ortsgemeinde. Sie stellen vielmehr Rundschreiben dar. Tatsächlich adressiert der erste Petrusbrief an „die auserwählten Fremdlinge, die verstreut sind“ und benannt danach eine Reihe von Landstrichen. Der zweite Petrusbrief schweigt sich über die Adressaten sogar komplett aus.

Ebenso allgemein gehalten, aber deswegen keineswegs unwichtig, ist der Inhalt beider Schreiben: Es geht um das richtige Alltagsverhalten als Christ, das Leiden um des Glaubens Willen, die Hoffnung auf Christus als Erlöser und die Warnung vor Irrlehren.

Vieles davon dürfte dem regelmäßigen Bibelleser bekannt sein, vor allem aus den Paulusbriefen, aber auch aus den Evangelien und dem Alten Testament. Stellenweise nimmt Petrus sogar explizit Bezug auf Paulus. Diese inhaltlichen Parallelen zeugen ebenso wie die Schnittmengen unter den Empfängern davon, dass die christliche Urgemeinde trotz aller Kontroversen lehrmäßig relativ homogen blieb. Die einzelnen Apostel und Missionare konkurrierten also nicht untereinander.

Gegen Ende des ersten Briefes erwähnt Petrus den Begriff Babylon als seinen Aufenthaltsort. Einige Bibelausleger sind der Meinung, dieser Inbegriff des Bösen sei ein Synonym für die Stadt Rom gewesen. Zu Beginn des zweiten Briefes deutet Petrus zudem seinen nahen Tod an. Gemeinsam mit der Erwähnung der Paulusbriefe legt dies den Schluss nahe, dass die Briefe recht spät, möglicherweise sogar erst während der neronischen Verfolgung verfasst wurden. Gestützt wird eine solche Annahme durch den eher väterlich-weisen Schreibstil. Jener passt so gar nicht zum jungen, impulsiven Petrus aus den Evangelien.

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